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2026-03-11
6 Min. Lesezeit
PetMealPlanner Team

Das Problem mit den Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen

Die Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen sind für alle gleich und führen oft zu Über- oder Unterfütterung. Erfahren Sie, warum sie versagen und wie Sie die richtige Portion für Ihr Tier berechnen.

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Man sieht es auf jeder Tüte und Dose: eine Fütterungstabelle, die angibt, wie viele Tassen oder Gramm Sie je nach Gewicht Ihres Tieres füttern sollen. Sie wirkt so hilfreich—bis Sie merken, dass Ihr Hund bei der „empfohlenen“ Menge zunimmt oder Ihre Katze immer hungrig ist. Was ist los?

Die Wahrheit ist: Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen sind notorisch unzuverlässig. Sie sind für ein hypothetisches Durchschnittstier gedacht, das es nicht gibt. Der tatsächliche Bedarf Ihres Tieres hängt von Alter, Aktivität, Stoffwechsel, Körperkondition und Kastration ab—nichts davon berücksichtigen diese Tabellen. Dieser Artikel erklärt, warum die Angaben auf der Verpackung oft danebenliegen und wie Sie Ihr Tier stattdessen richtig füttern.

Warum die Fütterungsempfehlungen auf der Verpackung irreführend sind

1. Sie basieren auf „durchschnittlichem“ Energiebedarf

Tierfutterhersteller stützen ihre Fütterungstabellen meist auf durchschnittliche Erhaltungsenergie (MER) für eine Gewichtsklasse. „Durchschnitt“ verbirgt aber große Unterschiede:

  • Ein sesshafter, kastrierter erwachsener Hund braucht oft 20–30 % weniger Kalorien als ein intakter, aktiver Hund gleichen Gewichts.
  • Eine Seniorenkatze braucht oft weniger Kalorien als eine junge erwachsene Katze gleichen Gewichts.
  • Rasse und Körperbau spielen eine Rolle: ein schlanker Windhund und ein stämmiger Bulldogge mit gleichem Gewicht haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Die Verpackung weiß nicht, ob Ihr Tier eine Couchpotato oder ein Sportler ist—sie rät irgendwo dazwischen. Für viele Tiere ist diese Schätzung falsch.

2. Die Gewichtsspannen sind zu breit

In den Tabellen werden Tiere meist in weite Gewichtsklassen eingeteilt (z. B. „10–25 lbs“, „26–50 lbs“). Ein 10-Pfund-Hund und ein 25-Pfund-Hund haben sehr unterschiedliche Kalorienbedürfnisse, bekommen auf der Tüte aber dieselbe Portion. Das bedeutet:

  • Kleinere Tiere in der Klasse werden oft überfüttert (Gewichtszunahme).
  • Größere Tiere in der Klasse können unterfüttert werden (Hunger oder Gewichtsverlust).

Selbst wenn die Formel stimmt, ist die Anwendung ungenau.

Das Problem mit den Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen

3. Lebensphase und Körperkondition werden ignoriert

Fütterungsempfehlungen unterscheiden selten zwischen:

  • Welpen und Kitten (brauchen mehr Kalorien zum Wachsen)
  • Erwachsenen (Erhaltung)
  • Senioren (brauchen oft weniger Kalorien)
  • Über- oder untergewichtigen Tieren (brauchen angepasste Portionen)

Viele Tüten haben nur eine Tabelle für „Erwachsenenerhaltung“. Bei einem wachsenden Welpen oder einer übergewichtigen Seniorenkatze passt diese Tabelle nicht—und trotzdem nutzen die meisten sie.

4. Kastration wird nicht berücksichtigt

Kastrierte Tiere haben oft einen niedrigeren Energiebedarf (oft 20–30 % weniger) und manchmal einen höheren Appetit. Sie mit der gleichen Menge wie ein intaktes Tier gleichen Gewichts zu füttern, ist eine häufige Ursache für Übergewicht. Auf der Verpackung wird der Kastrationsstatus selten erwähnt—dadurch wird bei kastrierten Tieren oft zu viel gefüttert.

5. Kalorien pro Tasse variieren je nach Rezeptur und Charge

Die Fütterungstabelle geht davon aus, dass Sie exakt das Produkt in der Tüte bei der angegebenen Kaloriendichte füttern. Aber:

  • Kaloriengehalt kann je nach Rezeptur, Sorte und Charge schwanken.
  • Bei anderer Sorte oder „Light“-Variante stimmt die Tabelle nicht.
  • Messen ist wichtig: eine gehäufte vs. eine gestrichene Tasse ändert die tatsächlich gefütterte Menge.

Selbst wenn Sie die Tabelle befolgen, können Sie über- oder unterfüttern.

Was passiert, wenn Sie sich an die Verpackungsangaben halten?

  • Überfütterung: Sehr häufig, besonders bei kastrierten oder wenig aktiven Tieren. Folge: Gewichtszunahme, Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsrisiken.
  • Unterfütterung: Möglich bei aktiven, intakten oder stoffwechselstarken Tieren. Folge: Hunger, Gewichtsverlust, wenig Energie oder schlechter Zustand.
  • Verwirrung: Wenn die Tabelle nicht zur Realität Ihres Tieres passt, raten Sie—und viele Halter geben „etwas mehr“ oder „etwas weniger“ ohne klares Ziel.

Richtig wird es nur, wenn Sie den tatsächlichen Kalorienbedarf Ihres Tieres berechnen und daraus Portionen für das konkrete Futter ableiten.

So füttern Sie die richtige Menge

Schritt 1: Täglichen Kalorienbedarf (MER) berechnen

Der Erhaltungsenergiebedarf (MER) Ihres Tieres ist die Kalorienzahl pro Tag für ein gesundes Gewicht. Er hängt ab von:

  • Gewicht (und ob Abnahme, Erhalt oder Zunahme gewünscht ist)
  • Lebensphase (Welpe/Kitten, erwachsen, Senior)
  • Aktivitätslevel
  • Kastrationsstatus
  • Körperkondition (ideal, übergewichtig, untergewichtig)

In der Tierernährung werden Formeln (z. B. RER × Lebensphasen- und Aktivitätsfaktoren) für den MER verwendet. Unser Tier-Ernährungsrechner macht das für Sie: Sie geben die Daten Ihres Tieres ein und erhalten ein tägliches Kalorienziel.

Schritt 2: Kalorienangabe des Futters finden

Suchen Sie die Kalorienangabe auf Tüte oder Dose—meist in kcal pro Tasse, pro kg oder pro 100 g. Steht sie nicht auf der Packung, schauen Sie auf der Herstellerwebsite. Ohne diese Zahl können Sie Kalorien nicht in Portionen umrechnen. Mehr dazu in unserem Artikel Die Kalorienangabe: Ihr Schlüssel zur genauen Portionierung.

Schritt 3: Tägliche Kalorien durch Kalorien pro Portion teilen

  • Tägliche Kalorien (MER) ÷ Kalorien pro Tasse (oder pro 100 g) = Anzahl Tassen (oder 100 g) pro Tag.
  • Auf die gewählte Anzahl Mahlzeiten verteilen (z. B. 2 bei Hunden, 2–3 bei Katzen).

Beispiel: Ihr Hund braucht 600 kcal/Tag. Das Futter hat 300 kcal pro Tasse.
600 ÷ 300 = 2 Tassen pro Tag (z. B. 1 Tasse pro Mahlzeit bei zweimal täglich).

So erhalten Sie eine individuelle Portion statt einer Pauschalabelle.

Schritt 4: Beobachten und anpassen

Nutzen Sie Body Condition Score (BCS) und Gewicht, um zu prüfen, ob Ihr Tier in guter Kondition bleibt. Bei Zunahme Portion leicht reduzieren; bei Abnahme oder ständigem Hunger erhöhen. Neu berechnen bei Änderung von Gewicht, Aktivität oder Lebensphase.

Fazit

Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen sind ein bequemer Anhaltspunkt, aber nicht für Ihr einzelnes Tier gemacht. Sie ignorieren Lebensphase, Aktivität, Kastration und Körperkondition und nutzen breite Gewichtsspannen, die nicht zum echten Kalorienbedarf passen.

Für genaue, individuelle Portionen:

  1. MER Ihres Tieres berechnen mit einem Tier-Ernährungsrechner.
  2. Kalorienangabe des Futters nutzen, um MER in Tassen oder Gramm pro Tag umzurechnen.
  3. Portionen konsequent messen und nach Körperkondition und Gewicht anpassen.

Sobald Sie das Kalorienziel Ihres Tieres und die Kalorien im Futter kennen, können Sie die Verpackungstabelle ignorieren und mit gutem Gewissen füttern.

Sie möchten eine genaue Portion für Ihr Tier? Nutzen Sie unseren kostenlosen Tier-Futterplaner, um den täglichen Kalorienbedarf und die empfohlenen Portionen nach Gewicht, Alter, Aktivität und Zielen zu berechnen—nicht nach einer Pauschalabelle.

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Warum die Fütterungsempfehlungen auf Tierfutterverpackungen falsch sind (und was Sie stattdessen nutzen sollten) | PetMealPlanner